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Heilige Messe
Die vielen Egerländer Trachten im Gottesdienst wiesen auf das Ereignis hin. Rund 200 Teilnehmer hatten sich in der Herz-Jesu-Kirche Dillenburgs eingefunden. Und als dann zu Beginn der Heiligen Messe die kirchlichen Würdenträger, aber auch die Fahnenträger aus Braunfels, Herborn, Sinn und Dillenburg mit ihren Begleitungen die Kirche betraten, wendeten sich die Blicke. Blitzlichter, sonst beim Gottesdienst nicht so üblich, flackerten auf. Pfarrer Stefan Peter begrüßte die Gäste, darunter Landrat Schuster, Landtagsabgeordneter Clemens Reif, Bürgermeister Michael Lotz sowie der Vorsitzende des Geschichtsvereins Erhard Ossner, in der Katholischen Kirche in Dillenburg: „Es ist immer wieder wichtig an bestimmten Punkten sich zurück zu erinnern, zu feiern, zu danken, zu wissen, woher man kommt, um dann – mit diesem Blick auf die Vergangenheit – in der Gegenwart zu leben und die Zukunft in den Blick zu nehmen.“
Pater Norbert Schlegel ging in seiner ergreifenden, völlig frei gehaltenen Predigt, auf die wesentlichen Aspekte der Vertreibung, aber auch die Notwendigkeit des Verzeihens und der Nächstenliebe, besonders in unserer heutigen Zeit, ein. Und da Gott immer geholfen hat, kommt dem Dank für diesen Beistand eine sehr wichtige Aufgabe zu. 60 Jahre sind seit der Vertreibung vergangen. Häufig wird der Pater, zugleich Vorsitzender des Sudetendeutschen Priesterwerks, angesprochen, was das heute noch soll, über Vertreibung zu reden. Wer es nicht selbst erlebt und erfahren hat, für den ist es Schnee von Gestern. Aber wer es erlebt hat, kann es nie vergessen. Plastisch vermittelte er den Zuhörern die damalige Situation. „Stellt Euch vor, Ihr kommt jetzt nach dem Gottesdienst nach Hause, wollt Euch vielleicht zu Tische setzen … da klopft und poltert es an Türen und Fenstern. Beim Türöffnen erfahrt Ihr: In 20 Minuten habt Ihr Euer Haus zu verlassen und Ihr dürft nur 20 bis 25 kg mitnehmen.“ Das haben die Flüchtlinge erfahren.
Die vielen Menschen in dem kleineren Deutschland haben – entgegen der Erwartung ausländischer Staatschefs – nicht revolutioniert. Sie haben neu angefangen und sogar die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Dies kann in der bereits 1950 erschienen Charta der Heimatvertriebenen nachgelesen werden. Aber ein Schlussstrich ist nicht möglich. Pater Schlegel, selbst Ostpreuße, hat immer noch die Flucht übers Haff vor Augen: den Treck, die russischen Tiefflieger, die das Eis bombardiert haben, die Menschen, die rechts und links ins Wasser gezogen wurden. „Ich habe es erlebt. Ich kann es nicht vergessen. Ich höre heute noch die Schreie. Da kann ich keinen Schlussstrich machen…“
Er forderte mehr Raum für Christus in unserem heutigen Leben. Wir müssen den Nächsten lieben wie uns selbst. Weg von dem Gedanken „Die anderen tun es auch“ hin zur Nächstenliebe. „Der Botschaft Jesu Christi Raum geben im Herzen und danach leben“ und „Gott danken, dass wir immer neu anfangen können.“
An der Klais-Orgel begleitete der hessische Landesvüarstäiha Bernhard Glaßl die Messe. Mit Inbrunst sangen die Gottesdienstteilnehmer ausgewählte Texte der „Deutschen Messe“ von Schubert:
Eingang: „Wohin soll ich mich wenden“Gloria: „Ehre sei Gott in der Höhe“Evangelium/Credo: „Noch lag die Schöpfung formlos da“Opferung: „Du gabst, o Herr, mir Sein und Leben“Sanctus: „Heilig, heilig, heilig“Agnus Dei: „Mein Heiland, Herr und Meister“Dank: „Nun danket alle Gott“Schluss: „Segne du, Maria, segne mich, Dein Kind“
Im Unterschied zu den lateinischen Messen der Zeit Schuberts, werden in dieser Messe die irdischen Sorgen und Nöte der Menschen berücksichtigt. Und dies passte genau zur Thematik der Vertreibung und zu dieser Heiligen Messe, von der nicht nur die Predigt in Erinnerung bleiben wird.
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