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Brauchtumsabend
Recht kurz war die Zeit zwischen Messe und geplantem Programmbeginn in der Stadthalle. Sonja Gebauer-Schwab konnte zahlreiche Ehrengäste zum Brauchtumsabend begrüßen. Dazu gehörten u.a. Pater Norbert Schlegel, die Bundestagsabgeordnete Sibylle Pfeiffer, Landtagsabgeordneter Clemens Reif mit Gattin, Kreistagsvorsitzende Elisabeth Müller, Bürgermeister Michael Lotz, Stadtverordnetenvorsteher Eckehard Leo, der ehemalige Bürgermeister Eschenburgs Walter Jank, Mitglieder des Magistrats, die Ortsvorsteherin Karin Pflug, Landesehrenvüarstäiha Konrad Heidl, Landesvüärstäiha Bernhard Glaßl mit seiner Frau, Landesjugendführer Rudi Winkler, Fahnenpatin Friedl Teschauer, Vertreter Dillenburger Vereine (AG Kaufleute- Andreas Balzer, Schlossbergverein - Ursula Hatzfeld, VdK - Rainer Meyrose, Feuerwehr - Eckhard Schilling, Liederkranz - Rudi Wächter u.a.). Die Gmoin Braunfels, Herborn, Hungen, Limburg, Marburg, Offenbach, Rodgau und Schlitz waren mit Abordnungen vertreten und verstärkten so wesentlich die Präsenz der Trachten an diesem Abend. Ca. 220 Personen füllten die Stadthalle und bildeten eine imposante Kulisse.
„Trotz der 50 Jahre ist unsere Gmoi nicht in die Jahre gekommen“, stellte Sonja Gebauer-Schwab fest. Keine veralteten Ansichten, ein junges Vorstandsteam und viele Aktivitäten kennzeichnen die Gmoiarbeit. Ihr Ausblick auf die Zukunft endete mit den Worten: „Wir werden auch künftig mit viel Engagement, Freude und Teamgeist die Egerländer Tracht sowie das Egerländer Kulturgut pflegen und erhalten.“ Als erste Gruppe stellte dann die Singgruppe, unter der Leitung von Hilda Hain und Gerta Vacula, mit den Liedern „Gröiß dich Gott ma(n) Eghaland“ und „U wåu i gåih“ ihr Können unter Beweis.
In seiner Rede stellte Bürgermeister Michael Lotz zunächst die Besonderheit des dreigeteilten Jubiläums mit Toten-Gedenken, Kirche und Brauchtumsabend heraus. Im Hinblick auf die Vergangenheit lobte er „Die Leistungen der Heimatvertriebenen waren ein wesentlicher Bestandteil beim Wiederaufbau unseres Landes und unserer Stadt“. Bezogen auf die Egerländer Gmoi und die Egerland-Jugend stellte Michael Lotz fest „Sie sind eine Bereicherung des täglichen Lebens“. Er wünschte sich, dass die Egerländer „hoffentlich noch viele Jahre mit ihren schönen Sitten und Gebräuchen, Liedern und den wunderbaren Trachten und Tänzen“ Dillenburg bereichern“ werden.
Landtagsabgeordneter Clemens Reif stellte in seinem Grußwort zunächst seine Verbundenheit mit den Egerländern heraus, ist er doch „umgeben“ von Egerländern aufgewachsen. Auch die Probleme der Mischehen (Herkunft, Religion) kennt er aus persönlicher Erfahrung. „Willkommen in dieser Gegend, als sie hier mit ihren Koffern ankamen, waren sie nicht.“ Doch die Solidarität und der Gemeinschaftssinn der Egerländer haben alle beeindruckt. So konnten die Heimatvertriebenen Impulse in den neuen Lebensorten setzen.
Der Kreisvorsitzende des Bundes der Vertriebenen und der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Walter Fix, gratulierte zunächst dem Bund der Egerländer Gmoin zu seinem 100. Geburtstag, den er in der Vorwoche in Marktredwitz feiern konnte. Er stellte die Funktion der Egerländer Gmoin nicht nur als Trachten- sondern auch als Brauchtums- und Kulturträger heraus. Seit vielen Jahren unterstützen die Dillenburger Tanzgruppen den Tag der Heimat, so auch in diesem Jahr. Er nutzte zugleich die Gelegenheit, Werbung für den Tag der Heimat zu machen, der am 30. September in der Stadthalle Dillenburg stattfindet.
Die Glückwünsche und Geschenke der anwesenden Gmoin übermittelte die stellvertretende Vüarstäihare Roswitha Gangl von der Gmoi Offenbach. Ein besonderes Geschenk hatte die Gmoi Marburg mitgebracht. Vüarstäiha Kurt Heinl überreichte mit seiner Gattin Irmgard zwei kunstvoll handgestickte Egerer Kindertrachten für die aktive Nachwuchsarbeit der Gmoi.
Eine Auflockerung zwischen Grußworten und der Festrede brachte die Kindergruppe. Mit den Tänzen „Kikeriki“ und dem „Schustertanz“ wirbelten die jungen Tänzerinnen über die Bühne und regten das Publikum zum Mitklatschen an. Ein besonderes Erlebnis war der Tag für Saskia Scheffel, die an diesem Tag ihren 11. Geburtstag feiern konnte und ein Geschenk und ein Ständchen erhielt.
Bernhard Glaßl begann seinen Festvortrag mit einem Rückblick auf die Geschehnisse in 1957. Das Saarland wird Bestandteil der Bundesrepublik Deutschland, die Römischen Verträge legen die Basis für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und die 45-Stunden-Woche wird eingeführt. In Dillenburg finden sich Gleichgesinnte zusammen, um sich fern von der Heimat gegenseitig zu unterstützen. In seinem Vortrag erörterte er die Problematik der Vertreibung und die besonderen Probleme im Egerland zwischen 1938 und 1946 von der Besetzung bis hin zur Vertreibung.
Egerländer Gmoi und Egerland-Jugend sind untrennbar verbunden. Aktuell findet der Übergang von der Erlebnis- zur Bekenntnisgeneration statt. Und in Dillenburg und einigen anderen Gmoin ist der Übergang sehr gut umgesetzt. Die Egerland-Jugend hat das Erbe der Väter angetreten. Beeindruckend zeigen das Ereignisse wie das Bundesjugendtreffen in diesem Jahr in Rauenberg. Auch bei der Egerland-Jugend ist ein Wandel eingetreten. Während der ersten Jahre stand die Pflege von Liedgut und Tänzen im Vordergrund, jetzt kommt vermehrt die grenzüberschreitende Kulturarbeit, wie z.B. die Friedhofspflegeaktion in Tepl, hinzu. Auch der neuen Diskussion über die Beneš-Dekrete muss sich die Egerland-Jugend stellen. Glaßl forderte die Aufhebung der Beneš-Dekrete. In einem Europa ohne Grenzen haben diese Dekrete keinen Platz mehr. Seit 1999 fordert die Europäische Union bereits deren Aufhebung. Stattdessen wurden sie noch einmal bestätigt und es gab viele Querschüsse. Der Fernsehfilm „Die Flucht“ hat aufgerüttelt und auf die Probleme der Flüchtlinge aufmerksam gemacht. Glaßl forderte abschließend „Wir brauchen lebendige Zeugen unserer Gemeinschaft. Lasst uns alle gemeinsam, jung und alt, Bekenntnisgeneration und Erlebnisgeneration, die Geschichte unserer Gemeinschaft auch in die Zukunft tragen.“
14 Sängerinnen und Sänger vereinte der Chor der Gmoin Rodgau und Offenbach an diesem Abend. Unter der Leitung der stellvertretenden Chorleiterin Katharina König, die Werner Wirth vertrat, erklang das Lied „Der Vugelbeerbaam“. Zwei in Dillenburg bekannte Gesichter waren dabei, Angela Breidenstein, die jetzt in Offenbach wohnt und Edith Zaschka aus Offenbach, die schon sehr oft unsere Tanzgruppe verstärkt hat.
Die Pause wurde zum Umbau genutzt. Mit Beamer (Projektor) und Computer hielten die neuen Möglichkeiten zur Präsentation Einzug. Sonja Gebauer-Schwab und Hans-Jürgen Ramisch zeigten eine kurzweilige Präsentation zum Thema „50 Jahre Egerländer Gmoi – 40 Jahre Egerland-Jugend z´ Dillenburg. Die Kurzfassung finden Sie in der Rubrik Rückblick.
Zum Jubiläum haben Hans-Jürgen und Gudrun Ramisch die „Chronik der Egerländer Gmoi und der Egerland-Jugend Dillenburg“ erarbeitet. Die Festschrift umfasst wichtige Stationen der Gmoi. Hans-Jürgen Ramisch dankte allen Unterstützern, besonders seiner Tochter Katharina und seiner Ehefrau Gudrun, die als Co-Autorin umfangreich eingebunden war. Sonja Gebauer-Schwab schloss sich diesem Dank im Namen des Vorstandes an.
Jetzt begann die aktive Zeit der Tanzgruppen, die lediglich von einer Ehrung unterbrochen werden sollte. Gewechselt wurde auch die Moderation. Hier übernahm Gudrun Ramisch das Mikrofon von Carsten Trams.
Geehrt wurde Roland Uchazius für seine langjährigen Verdienste um die Dillenburger Gmoi. 19 Jahre lang hat er die Leitung inne gehabt und ist damit der Vüarstäiha mit der längsten Dienstzeit in der Gmoi. Auch außerhalb dieser Aufgabe hat er stets die Gmoi gefördert und war sowohl alleine - wie auch mit seiner Ehefrau Hildegard - immer da, wenn er benötigt wurde. Die Hauptversammlung hatte ihn im Januar bereits zum Ehrenvüarstäiha gewählt, jetzt erhielt er seine formschöne Urkunde.
Völlig überrascht war Mona Hafer über ihre Ehrung mit der Ehrennadel der Egerland-Jugend. Landesjugendführer Rudi Winkler ehrte die Leiterin der Kinder- und Schülergruppe und stellvertretende Leiterin der Jugendvolkstanzgruppe. Seit zwei Jahren gehört sie zudem der Landesjugendführung an. Winkler verband damit die Hoffnung, dass sie in Zukunft genauso aktiv mitarbeiten wird.
Den „Labanter Råja“ (Labanter Reigen) zeigten die Jugendvolkstanzgruppe Offenbach-Rodgau und die Jugendvolkstanzgruppe Dillenburg gemeinsam. Aus Mecklenburg stammt der „Sprötzer Achterrüm“, den acht Dillenburger tanzten. Viele Ehemalige konnten zum Jubiläum noch einmal aktiviert werden. So gab es ein imposantes Bild als 10 Paare den „Klodrauer Råja“ zeigten. Auf die Männer der Ehemaligen wurde beim „Radetzky-Marsch“ zurückgegriffen. Und ohne Zugabe ging es dabei nicht ab.
Ein farbenfrohes Trachtenbild gab es bei „Eghalanda Boum u Måi(d)la“, als fast alle Aktiven des Abends noch einmal auf der Bühne standen. Dank ausliegender Texte konnte auch das Publikum mitsingen. Üblicher Abschluss eines solchen Abends ist der Tanz „Schäi(n luste(gh u kearngout“, bei dem sich alle Volkstänzer gemeinsam auf der Tanzfläche versammeln.Bereits den ganzen Abend hatten sie zwischen einzelnen Programmpunkten gespielt und auch alle Tänze, bis auf die der Kinder-/Schülergruppe begleitet. Die Original Kaiserwaldmusikanten unter der Leitung von Wolfgang König zeigten mit ihrem Einfühlungsvermögen, dass hier erfahrene Volkstänzer die Instrumente spielen. Alle Tänzer haben sich bei dieser musikalischen Begleitung sofort wohl gefühlt. Und die Zuschauer genossen die schönen Egerländer Klänge. Jetzt kam für alle die Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen. Davon wurde ausgiebig Gebrauch gemacht, wenngleich man – nach den Protokollbüchern - im ersten Jahrzehnt der Gmoi ein wesentlich besseres Durchhaltevermögen zeigte.
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